"Borneo: Dschungelcamp – garantiert kübelböckfrei!"
Von Lina Jäger
Ein gellender Schrei, da huscht etwas! Lautes schrilles Gezeter tönt aus den Bäumen. Eine kreischende Horde Affen, Makaken, turnt vor den kleinen offenen Pfahlhütten herum, als wollten sie ein Schauspiel geben. Affenmütter tragen ihre Jungen unterm Bauch und verteidigen lautstark ihr gerade frisch gepflücktes Frühstück vor den Männchen.
Damit ist die Nachtruhe gänzlich beendet.
Dieses Dschungelcamp hat nichts zu tun mit massenmedialen Veranstaltungen. Weder gibt es hier Kakerlaken zum Frühstück, noch sieht irgendwer Daniel Kübelböck beim Schlammbaden.
Nur wenige Touristen haben in dieses kleine Camp auf Borneo gefunden.
Tim und Susanne aus Australien sind mit ihren beiden Kindern, vier und sechs, hier. Die sind besonders gespannt auf ihre erste Safari. Mit kleinen Motorbooten geht es los – den Kinabatangan River entlang. Die Betreuer sehen sofort, ob sich hinter diesem oder jenem Ast ein pelziger oder gefiederter Urwaldbewohner verbirgt. Ein Hornvogel fliegt aus dem Wipfel eines Baumes auf und schwingt sich mit seinen riesigen bunten Flügeln majestätisch davon. Es ist äußerste Stille geboten, damit die wilden Tiere nicht vertrieben werden. Sogar den Kindern hat es vor Aufregung die Sprache verschlagen. Plötzlich raschelt es in einem der großen Bäume. Dann bewegt sich der ganze Stamm, es kommt ein Kopf mit roten Haaren zum Vorschein. Es ist ein Orang Utan! In seinem dichten struppigen Fell klammert sich ein Orang Utan Baby fest und blickt immer wieder schutzsuchend zu seiner Mutter auf. Diese schwingt sich gemächlich von Ast zu Ast. Gleich die Kamera gezückt und sofort den Mehrfachauslöser gedrückt. Wer weiß, wann sich das nächste Mal so ein Bild bietet.
Eine Flussbiegung weiter klettert am Ufer ein Nasenaffe hastig einen Baumstamm hoch, macht es sich gemütlich und schaut neugierig auf das Boot herab. Für die Affen ist die grose Nase ein Schönheitsideal. Die Weibchen schauen jedenfalls zuerst auf die Nase eines Mannes, bevor sie sich für ihren Partner entscheiden.
Touristen, die Orang Utans gesehen haben sind völlig begeistert - so begeistert, dass sie oft nach ihrer Heimkehr Projekte zum Schutz der letzten Orang Utans mit Spendengeldern unterstützen.
Die Nasenaffen hingegen finden weniger Beachtung, obwohl sie genauso bedroht sind. Vielleicht nur, weil sie so hässlich sind. Ihr Spektakel in den Bäumen zu beobachten ist so faszinierend, dass es wirklich sehr traurig wäre, wenn diese kuriosen Gesellen von unserem Planeten verschwinden würden.
Gegessen wird im Camp - zwischen grunzenden Wildschweinen, die überall herumlaufen. Zwischendurch trottet noch ein Riesenwaran vorbei. Er bleibt unbeeindruckt von den aufgeregten „Oh-guckt-mal-da,-was-für-ein-riesen-Vieh!“-Rufen
Die Sonnenstrahlen suchen sich hier und da ihre Wege durch das dichte grüne Blätterdach des Urwaldes und malen phantasievolle Muster auf den schlammigen Boden. Die Luft scheint zu stehen. In regelmäßigen Abständen greift jeder zu seiner Flasche mit Insektenmittel, um sich die lästigen Moskitos vom Leib zu halten. Eine Dusche mit Flusswasser in dem kleinen Holzverschlag bietet ein wenig Erfrischung.
Mit Einbruch der Dunkelheit beginnen die Grillen ihr Konzert und auch viele andere Tiere werden nun erst aktiv.
Die Kinder von Tim und Susanne scheinen trotz der späten Stunde bei der Nachtwanderung kein bisschen müde zu sein. Jedes Knacken und Rascheln im Unterholz treibt die Spannung bis ins Unendliche. Andererseits gibt die Gewissheit mitten in der Natur zu sein, fern von den unberechenbaren Gefahren einer Großstadt, jedem das Gefühl von Friede und Geborgenheit. Es zeigen sich bunte Vögel wie aus dem Tuschkasten, Frösche und Spinnen in knalligen Farben und eine der scheuen Zibetkatzen.
Nachts auf den Matratzen unter den schützenden Moskitonetzen begleiten der süßlich-herbe Duft des Urwaldes und der Rhythmus der auf die Dächer trommelnden Regentropfen in den Schlaf.
Auch am nächsten Morgen werden die Geräusche des Regenwaldes wieder den Wecker ersetzen und der kleine Australier singt immer wieder „I’m the Djungle-King, I’m the Djungle-King!“ – Tja, Daniel Kübelböck und Anhang, da habt Ihr nun wirklich verloren!




