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"Keine Peanuts für Allergologen"

Von Mark Prott

 

Wer auf Nahrungsmittel allergisch reagiert, hat es nicht leicht. Denn während es für Pollenallergiker einige erprobte Therapiemöglichkeiten gibt, können Lebensmittelallergiker bislang nur eines tun: Speisen meiden, die den Allergie auslösenden Stoff enthalten. Und das ist leichter gesagt, als getan. Denn manchmal genügen schon Bruchteile eines Gramms von der betreffenden Substanz, um das fehlgesteuerte Immunsystem des Allergikers in Aufruhr zu versetzen und heftigste körperliche Reaktionen bis hin zum Kreislaufzusammenbruch auszulösen. Um die vielen Wissenslücken zu füllen, die Lebensmittelallergien den Medizinern immer noch aufgeben, entsteht jetzt in Lübeck das erste interdisziplinäre Allergie-Zentrum Deutschlands. Grundlagenforscher wie Molekularbiologen arbeiten hier Hand in Hand mit klinisch tätigen Ärzten verschiedenster Fachgebiete. Man ist hier unter anderem auf der Suche nach einer funktionierenden Behandlungsmethode für Lebensmittelallergien. Doch ob das Expertenteam die sich selbst gesteckten Ziele überhaupt erreichen kann, daran zweifelt man an anderer Stelle - nämlich beim Paul Ehrlich Institut in Langen - noch.

 

Ausschlag, Juckreiz, Schwindel, Übelkeit, Durchfall, Atemnot oder Kreislaufversagen: Die Symptome einer Nahrungsmittelallergie sind so vielfältig wie unangenehm. Zwei bis sieben Prozent aller Kleinkinder unter drei Jahren und etwa zwei Prozent aller erwachsenen Bundesbürger leiden mehr oder minder stark darunter. Tendenz: seit Jahren stark steigend. Die Lebensmittel, die am häufigsten Beschwerden verursachen sind Haselnüsse, Äpfel, Sellerie und Karotten. Auch ein anderes Nahrungsmittel macht den Allergologen Kopfzerbrechen: die Erdnuss. Auch wenn in Deutschland bisher noch nicht sehr viele Erdnussallergiker zu finden sind, ist diese Allergie doch besonders heimtückisch. Denn schon wenige Mikrogramm (wenige millionstel Gramm) sind ausreichend, um bei den Betroffenen Luftnot, Schleimhautschwellungen und Kreislaufstörungen hervorzurufen. Zum Vergleich: Bei anderen Nahrungsmitteln tritt die allergische Reaktion gewöhnlich erst im Grammbereich auf. Derartig kleine Mengen im Mikrogrammbereich aber lassen sich bei der industriellen Fertigung von Nahrungsmitteln nie ganz vermeiden. Sie sind normale Verunreinigungen. Die Lübecker Allergologin Ute Lepp beschreibt so einen Fall: "Einer Patientin schwoll innerhalb weniger Minuten der Rachen zu, nachdem sie ein Körnerbrötchen gegessen hatte. Wir haben Kontakt mit der Großbäckerei aufgenommen. Tatsächlich setzten sie fünf ihrer Produkte Erdnuss zu. Da das Unternehmen für alle Teigwaren aber nur eine Rührmaschine benutzt, sind auch die vermeintlich erdnussfreien Backwaren für Allergiker gefährlich." Erdnussallergiker sind selbst dann gefährdet, wenn sie gar nichts essen. So sind aus den USA Fälle bekannt, wo Allergiker mit typischen Symptomen reagierten, nachdem sie von jemanden geküsst wurden, der vorher die Nüsse gegessen hatte. In Amerika leidet übrigens dank der allgegenwärtigen Erdnussbutter jeder hundertste Mensch an einer Erdnussallergie.

An der Universität Lübeck und dem Forschungszentrum Borstel, aus dem das neue Allergie-Zentrum hervorgehen soll, hat man sich die Erdnussallergie als Forschungsschwerpunkt gewählt.

 

Die Wissenschaftler wollen z. B. ergründen, wie es zu der Allergie kommt und wie hoch der individuelle Schwellenwert ist, ab dem es zu körperlichen Reaktionen kommt. Ferner sucht man nach einer Möglichkeit, die Patienten unempfindlich gegen den Allergie auslösenden Stoff, also das Allergen, zu machen. Diese so genannte Hyposensibilisierung wird bei Pollenallergikern schon seit längerem mit einem gewissen Erfolg angewandt. Auch bei Nahrungsmittelallergien haben die Wissenschaftler auf diesen Wege versucht, die Allergiker unempfindlich zu machen. Allerdings nur mit ernüchterndem Ergebnis, denn die Nebenwirkungen waren viel stärker als die geringen Erfolge. Mit Hilfe der Gentechnik wollen die Forscher nun Allergene entwickeln, die genau dem Protein entsprechen, auf das der Körper des Patienten reagiert. Allerdings sollen diese künstlich hergestellten Allergenproteine dann gleichzeitig so gestaltet werden, dass sie nur sehr schwache Nebenwirkungen bei einer Hyposensibilisierung hervorrufen.

Ob den Forschern am interdisziplinären Allergie-Zentrum das letztlich wirklich gelingen wird, zweifelt Professor Stefan Vieths vom Paul Ehrlich Institut in Langen allerdings noch an. Er beschäftigt sich im Auftrag der Bundesregierung mit Allergieforschung. "Meiner Kenntnis nach sind die Patientenzahlen in Borstel und Lübeck zu niedrig, um dort effiziente Forschung zu betreiben. Bei weniger als 2000 bis 3000 Patienten hat man gar nicht genügend interessante Fälle, die man näher betrachten kann", meint Vieths. Trotzdem hält er insbesondere die Forschung an der Hyposensibilisierung bei Nahrungsmittelallergien für sehr wichtig und den Forschungsansatz in Lübeck für interessant. Denn Allergien würden auch in Zukunft immer weiter zunehmen. Der Grund dafür liegt seiner Ansicht nach eindeutig in der Lebensweise in den Industrieländern. Seit Kinder bei uns unter nahezu sterilen Bedingungen aufwachsen, ist die Anzahl an Allergien ständig gestiegen. Der vermutete Hintergrund: Weil Kleinkinder heute deutlich weniger mit Krankheitserregern in Kontakt kommen, ist ihr Immunsystem nicht sehr gut trainiert. Es neigt dann offensichtlich dazu, sich die falschen Feinde zu suchen und reagiert auf völlig harmlose Stoffe - eine Allergie entsteht. Eine Studie an der Universität in München legt diesen Zusammenhang nah. Dort stellte man fest, dass Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen und hier viel im Kontakt mit Tieren sind, signifikant seltener unter Allergien leiden, als Kinder, die im selben Ort aber nicht auf einem Bauernhof leben.

 

In Zukunft werden eher noch weniger Kinder in ländlicher Umgebung aufwachsen und damit die Zahl der Allergiker vermutlich weiter steigen. Und so lange noch keine funktionierende Therapie gegen Nahrungsmittelallergien entwickelt wurde, können Allergiker nur versuchen, dem Allergen aus dem Weg zu gehen. Wer unter besonders schweren Symptomen leidet, kann sich jedoch in Lübeck den Umgang mit einem speziellen Notfallset erklären lassen. Es enthält eine Medikamentenkombination aus Cortison, Adrenalin und Antihistaminika, die sich Patient selbst spritzen kann.

 

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Rita Weinert



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Rita Weinert

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Teilnehmer äußern sich





Ulrike Bendrat, freie (Print-) Journalistin, arbeitet vom „Bremer Medienbüro“ aus für Tageszeitungen und Magazine und verfasst Pressetexte. Sie hat am Seminar „Crossmedial arbeiten“ bei Claus Hesseling teilgenommen. Sie schreibt:

 

„O-Töne aufzunehmen und weiter zu verarbeiten ist keine Zauberei. Auch die Verbindung Audio mit Bild ist nicht so schwierig. - Das waren zwei der positiven Erkenntnisse, die ich als bisher „Nur“-Printjournalistin aus dem Crossmedia-Seminar mitgenommen habe. Klar, die Umstellung von ...weiter