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"Lymphologe aus Leidenschaft"

 

von Katharina Mader

 

Wer studiert Philosophie und Germanistik, um sich dann mit dem medizinischen Fachgebiet der Hautkrankheiten auseinander zu setzen? Wer greift Kolleginnen und Kollegen an, indem er statt einer herkömmlichen Behandlungsmethode eine eigene Operationstechnik entwickelt? Und was hat das alles mit Theater zu tun?

 

Der Mann, der diesen Weg beschritten hat, heißt Manuel E. Cornely und verdient sein Geld als Facharzt für Lymphologie. Das bedeutet, dass er sich mit den Lymphknoten und Lymphbahnen auseinander setzt. Diese benötigt unser Körper, um Schlackstoffe zum Herzen hin zu transportieren. Bei Frauen kann es – genetisch bedingt und vermutlich aufgrund der Östrogenproduktion – vorkommen, dass dieser Transport nicht funktioniert. Im schlimmsten Fall führt dies zu dicken Beinen und Armen und durch die Druckerhöhung im Fettgewebe zu andauernden Schmerzen. Dann sprechen Wissenschaftler von der Lipohyperplasia dolorosa, auch Lipödem genannt, einer Krankheit, an der in Deutschland ca. fünf bis elf Millionen Frauen leiden.

 

Cornely befasst sich seit Anfang der 1990er Jahre mit dieser Krankheit. "Eher zufällig", sagt er, machte er seinen Facharzt an der Klinik (Halle-Wittenberg), an der sich die Ärzte auch mit Lymphologie auseinander setzten. Mit der Status-quo-Methode konnte er sich jedoch nicht anfreunden: "Betroffenen wurde erklärt, dies sei eine chronische Krankheit, die sich aufgrund von Fettleibigkeit entwickele." Daher sollten sie mehr Sport treiben und weniger essen. In der Regel mussten Patientinnen Kompressionsstrümpfe tragen und zwei- bis dreimal pro Woche zum Arzt zur Lymphdrainage gehen.

Cornely entwickelte 1997 eine neue Operationsmethode: Er saugt an den entsprechenden Stellen Fett ab, um das Ungleichgewicht zwischen der Lymphproduktion und deren Abtransport wieder auszugleichen. Bei entsprechender Nachsorge konnten bisher 70% der Frauen anschließend auf Lymphdrainage und Strümpfe verzichten.

Eine Reaktion der klassischen Lymphologen ließ nicht lange auf sich warten: Sie schrien getroffen auf. Der Kritik, er zerstöre durch die Operation die Lymphgefäße, kann Cornely bis heute nichts abgewinnen. Er führt regelmäßig radiologische Vor- und Nachuntersuchungen durch, die in der Vergangenheit bereits zu messbaren Verbesserungen im Lymphsystem geführt hätten.

Der Facharzt ist überzeugt von seinem medizinischen Ansatz für die Lipödemerkrankung. Sie wurde zwar bereits 1940 in der Fachliteratur beschrieben, dann aber nicht weiter verfolgt: "An Hochschulen wird zwar das Arterien- und Venensystem, nicht aber das Lymphsystem ausreichend gelehrt.", so Cornely. Daher entwickelte er mit Kollegen ein eigenes Ausbildungssystem für ambulante Lymphologie, aufgrund dessen inzwischen 250 Ärztinnen und Ärzte als ambulante Lymphologen praktizieren. Österreichs Ärztekammer hat sein Programm inzwischen übernommen – Deutschland noch nicht.

 

Cornely lässt sich kaum anmerken, wie stolz und glücklich er über seine Erfolge ist. Lieber untertreibt kokettiert er: Warum setzt er sich heute leidenschaftlich mit gestörten Lymphsystemen auseinander? " Zufall.", sagt er nüchtern.

Blickt man in seiner Biographie etwas weiter zurück, verwundert diese Antwort nicht. Zwar begann der heutige Facharzt nach dem Abitur tatsächlich mit dem Studium der Medizin an der Universität zu Köln. Nach einem Semester schmiss er das Fach jedoch hin, weil ihm die Hackordnung unter den Studierenden zuwider war. Die nächsten Jahre verbrachte er mit einem Lehramtsstudium in Philosophie und Germanistik. Aus Interesse orientierte er sich zum Theater und Fernsehen hin. Er führte Regieassistenzen, gründete eigene Theater und war bei TV-Produktionen wie Hella von Sinnens Alles nichts, oder? dabei. Nach einiger Zeit empfand er den Theaterbetrieb jedoch als zu bürokratisch. Nach kurzer Überlegung führte ihn dies zum Medizinstudium zurück. Dennoch schloss er sein Lehramtsstudium ab, büffelte jedoch gleichzeitig bereits für das Physikum, die Zwischenprüfung in der Medizin.

Seine Staatsexamensarbeit schrieb er über den Paradigmenwechsel in Medizin und Politik zu Galileis Zeiten – heute bezeichnet er die von ihm entwickelte Operationsmethode zurückhaltend, aber nicht ohne Stolz, als ebensolchen in der Medizin.

 

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Rita Weinert



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Rita Weinert

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Teilnehmer äußern sich





Ulrike Bendrat, freie (Print-) Journalistin, arbeitet vom „Bremer Medienbüro“ aus für Tageszeitungen und Magazine und verfasst Pressetexte. Sie hat am Seminar „Crossmedial arbeiten“ bei Claus Hesseling teilgenommen. Sie schreibt:

 

„O-Töne aufzunehmen und weiter zu verarbeiten ist keine Zauberei. Auch die Verbindung Audio mit Bild ist nicht so schwierig. - Das waren zwei der positiven Erkenntnisse, die ich als bisher „Nur“-Printjournalistin aus dem Crossmedia-Seminar mitgenommen habe. Klar, die Umstellung von ...weiter