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Shiva im Mangrovenwald


Von Katrin List

Was hat ein Tsunami mit Mangroven zu tun? Was macht ein ostfriesischer Meeresbiologe mit indischen Kokosnüssen? Warum soll ein indischer Gott Kühe bannen? Werden Fische auch Opfer von Monsterflutwellen?

Onno Gross, aufgewachsen an der ostfriesischen Küste, träumte davon, Tiefseeforscher zu werden: Selbstleuchtende Tiefseefische mit eigenen Augen zu erblicken, „das wäre das i-Tüpfelchen“. Damals stellte er sich nicht vor, 2005 die Geschicke mehrerer südindischer Dörfer zu beeinflussen. Heute ist Gross, 42, Spezialist für Tiefseemeeresforschung und Geschäftsführer von MANGREEN, einem deutsch-indischen Projekt zum Küstenschutz durch Mangroven (www.deepwave.org).

Was verbindet beides – Mangroven und Tiefsee? Es geht um die übergreifende Idee, dass 60 Prozent der Meeresverschmutzung vom Land her kommt. Da eine Vielzahl von Fischarten im Jugendstadium aus der Tiefe an die Oberflächenbereiche der Meere kommt und somit durch die Verschmutzung bedroht ist,  erklärt sich Gross´ Interesse an einem nachhaltigen Schutz des Meeres durch den beiderseitigen Schutzwall, den Mangroven-Wälder bilden: Als Sediment- und Schmutzstoff-Filter zum Land hin gegen die Abwässer aus Industrie-, Land- und Haushaltswirtschaft;  als Bollwerk gegen Tsunamis und Zyklone, dass das Landesinnere und küstennahe Siedlungen vor der umfassenden Zerstörung schützt. Denn Untersuchungen internationaler Experten, die nach dem vernichtenden Tsunami von 2004 in betroffenden Küstenregionen angestellt wurden, bestätigten die schützende Funktion von Mangrovenwäldern.

Gleichzeitig sind die Mangrovenwälder die „Kinderstube“ für viele Fischarten: 30 Prozent der essbaren Fische verleben ihre Jugend in den Wäldern. Auch für die Küstenbevölkerung ist ihr Erhalt wichtig, denn häufig leben die Menschen an der Küste vom Fischfang. Die Bevölkerung ist arm. Sie holzt das Mangrovenholz ab, weil sie darauf angewiesen ist und  nutzt das Holz der Mangroven außerdem als Feuerholz und zum Bau von Behausungen, Deichen, Flössen und Zäunen.
Ein weiterer Grund für den Raubbau sind die wirtschaftlich lukrativen Shrimps-Farmen und der Bau von Hotelanlagen und Flughäfen. Doch die schrecklichen Auswirkungen des Tsunamis machten deutlich, dass das Verschwinden des Mangrovenmantel um die Küsten erhebliche Nachteile für Mensch und Fisch hat.

Letztlich war es der Tsunami, der ein Nachdenken und damit Projekte wie MANGREEN angestoßen hat. „Die Zeit war reif für ein Mangrovenschutzprojekt“, meint Gross. Zugleich erkannten die beteiligten Stiftungen, dass es bei einem bloßen Aufforstungsprogramm nicht bleiben kann. Der kanadische Meeresforscher Daniel Pauly ist von der Notwendigkeit alternativer Einkommensquellen überzeugt, um erfolgreich nachhaltige Wirkungen im Interesse von Natur und Mensch zu erzielen.


Wenngleich MANGREEN ein Projekt mit Konzentration auf den Küstenschutz ist, so betrifft es doch alle kommunalen Ebenen: Die Kinder werden durch Ökoclubs, Straßentheater und Sommercamps, angeleitet durch Projektmitarbeiter in naturkundlichen Themen geschult. Erzählt ein Kind seinen Eltern, was es gelernt hat, lässt womöglich sein Vater beim nächsten Fischfang einen Delfin aus dem Netz wieder frei. Sogar Gottheiten werden von den Einheimischen angestellt, um die Projekterfolge zu sichern: Schilder mit Shivas Konterfei sollen die eingezäunten Mangroven vor den Kühen schützen. Die von Pauly geforderten alternativen Einkommensquellen entstehen auch in Rahmen von MANGREEN: In einem Kokosnuss-Projekt stellen Frauen Ökoseile her, die erfolgreich in Indien vertrieben werden. Mit dem Gewinn lässt sich hoffentlich das Projekt weiter unterstützen: „Ein Kontakt nach Deutschland wäre super“, sagt Gross.

So hat die Arbeit der Meeresforscher auch zu einem Entwicklungshilfeprojekt geführt. Nicht nur die Qualität des Meereswassers und die Wachstumsbedingungen der Fische gilt es zu verbessern. Nachhaltig und zum beiderseitigen Nutzen sollen sich auch die Lebensbedingungen und das Umweltbewusstsein der Bewohner verändern. Sollte ein nächster Tsunami kommen, könnten die Mangroven helfen, Menschen und Fische zu retten.

 

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Rita Weinert



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Rita Weinert

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Teilnehmer äußern sich





Ulrike Bendrat, freie (Print-) Journalistin, arbeitet vom „Bremer Medienbüro“ aus für Tageszeitungen und Magazine und verfasst Pressetexte. Sie hat am Seminar „Crossmedial arbeiten“ bei Claus Hesseling teilgenommen. Sie schreibt:

 

„O-Töne aufzunehmen und weiter zu verarbeiten ist keine Zauberei. Auch die Verbindung Audio mit Bild ist nicht so schwierig. - Das waren zwei der positiven Erkenntnisse, die ich als bisher „Nur“-Printjournalistin aus dem Crossmedia-Seminar mitgenommen habe. Klar, die Umstellung von ...weiter