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Die Ohren der Schweinswale

 

von Gerd Kulik

 

Neben der Lärmverschmutzung durch militärische Aktivitäten stellt der Schiffsverkehr, der Bau von Windparks oder die Erdölförderung ein zunehmendes Problem für die Meeresumwelt dar.  Die Biologin Susanne Prahl untersucht, ob der Unterwasserlärm das Hörvermögen von Schweinswalen beeinträchtigt.

Auf dem Labortisch des Forschungs- und Technologiezentrums Westküste in Büsum liegt ein toter Schweinswal. Verwesungsgeruch strömt aus dem aufgeschnittenen Körper und erfüllt den Raum. Vorsichtig nähert sich Susanne Prahl diesem Geruch aus zersetzten Fettsäuren und bakteriellem Zerfall. Sie ist blass, ein unwohles Gefühl breitet sich in ihrer Magengrube aus. Es ist ihre erste Begegnung mit einem Schweinswal. Sie will ihn untersuchen.


„Das ist jetzt fast zehn Jahre her“, sagt die promovierte Biologin. „Heute nehme ich diesen extremen Geruch nicht mehr so intensiv wahr. Mit der Zeit gewöhnt man sich daran und konzentriert sich auf die Arbeit.“ Die Vierzigjährige arbeitet in einem Forschungsprojekt über die akustische Belastung von Schweinswalen, der einzigen heimischen Walart an Deutschlands Küsten. Sie untersucht, ob die vom Menschen verursachten Geräusche das Hörvermögen der Meeressäuger beeinflussen.


„Schiffsverkehr, Ölförderung oder Schießübungen des Militärs sind dauerhafte Quellen des Unterwasserlärms“, sagt Susanne Prahl. Die Folge: Schon heute ist die Nordsee eines der am stärksten durch Lärm belasteten Meere. Und es wird noch lauter werden, wenn Baumaschinen dereinst die Fundamente von Windkraftanlagen 30 Meter tief in den Meeresboden rammen.


Eine dauerhafte oder auch kurzzeitige Geräuschbelastung, so fürchten die Wissenschaftler, könnte das Hörvermögen der Schweinswale schädigen. Dabei benötigen sie ein gut funktionierendes Gehör. Ähnlich wie die Fledermäuse ’sehen’ die nur 1,30 bis 1,80 Meter großen Säugetiere mit ihren Ohren. Mit Hilfe eines Sonarsystems senden sie Ultraschall-Signale aus und machen sich über die zurückgeworfenen Echos ein akustisches Bild ihrer Umwelt. Die Tiere brauchen ihren Hörsinn, um Nahrung zu suchen, Hindernissen und Feinden auszuweichen oder um sich mit Artgenossen zu verständigen.


 „Im Innenohr werden die Schwingungen des Schalls auf winzige Haarzellen übertragen und dann als elektrisches Signal an das Gehirn weitergeleitet“, erläutert Susanne Prahl. „Sind diese Schwingungen zu stark, können sie das empfindliche Gewebe zerstören.“ Aus diesem Grund öffnet die Forscherin die Schädel verendeter Schweinswale und untersucht das Gewebe der Innenohren. Auch computergestützte Röntgenaufnahmen der Ohrknochen wertet sie aus.


Derzeit erforscht Susanne Prahl in einem mit Bundesmitteln finanzierten Projekt, wie sich so genannte Pinger auf die Schweinswale auswirken. Schweinswale suchen ihre Nahrung hauptsächlich am Boden und verstricken sich daher besonders leicht in den am Meeresgrund aufgestellten Netzen von Fischern. Oft können sie sich nicht mehr befreien und verenden qualvoll. Als Schutz hiervor werden an den Stellnetzen Pinger befestigt: kleine Lautsprecher, die Töne aussenden und so die Schweinswale vertreiben sollen.


Doch die Wissenschaftler befürchten, dass der großflächige Einsatz dieser Geräte zu einer zusätzlichen Lärmbelastung in den Gewässern führen wird und die Tiere schädigen könnte. Susanne Prahl untersucht deshalb die Innenohren von Schweinswalen aus Netzen mit Pingern und vergleicht sie mit denen aus Netzen ohne Pinger. „Ergebnisse liegen jedoch noch nicht vor“, sagt die Wissenschaftlerin. „Dafür haben wir noch nicht genügend Tiere untersuchen können.“ Es geht zunächst also darum, Grundlagendaten zu sammeln.


Doch es gibt ein Problem: Für ihre Forschungen sind die Wissenschaftler auf die Mitarbeit der Fischer angewiesen. Nur wenn die Fischer die in ihren Netzen verendeten Schweinswale melden, gelangen diese auf die Labortische der Walforscher. Aber die Fischer befürchten, sie könnten für den Rückgang der bedrohten Wale verantwortlich gemacht werden. „Aus diesem Grund werfen sie wahrscheinlich einen Teil der versehentlich gefangenen Schweinswale ins Meer zurück“, sagt Susanne Prahl.


Solche Schwierigkeiten gehören zum Arbeitsalltag der Biologin. Doch sie hat schon ganz andere Probleme gemeistert. In einer früheren Projektphase hatten sich durch den starken Rückgang des Dorsches, eine der wichtigsten Speisefischarten, die Fischereiaktivitäten verringert - und damit auch der Einsatz der Pinger. Susanne Prahl konnte deshalb die Untersuchungen in der ursprünglich geplanten Form nicht weiterführen. „Dies sind Aktualitäten, auf die man sich als Wissenschaftlerin einstellen muss. Man braucht oftmals einen langen Atem in der Forschung“, sagt sie.


Und diese Beharrlichkeit zahlt sich aus. Nach einer EU-Verordnung sind nunmehr die europäischen Länder dazu verpflichtet, Kutter ab einer Länge von 12 Metern mit Pingern an den Stellnetzen auszustatten. Aus diesem Grund konnte Susanne Prahl bereits vier Schweinswale aus solchen Netzen untersuchen. Ein unwohles Gefühl in ihrer Magengrube hatte sie  hierbei sicherlich nicht.

 

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Rita Weinert



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Rita Weinert

Leiterin des Medienbüros

 


Teilnehmer äußern sich





Ulrike Bendrat, freie (Print-) Journalistin, arbeitet vom „Bremer Medienbüro“ aus für Tageszeitungen und Magazine und verfasst Pressetexte. Sie hat am Seminar „Crossmedial arbeiten“ bei Claus Hesseling teilgenommen. Sie schreibt:

 

„O-Töne aufzunehmen und weiter zu verarbeiten ist keine Zauberei. Auch die Verbindung Audio mit Bild ist nicht so schwierig. - Das waren zwei der positiven Erkenntnisse, die ich als bisher „Nur“-Printjournalistin aus dem Crossmedia-Seminar mitgenommen habe. Klar, die Umstellung von ...weiter